"Ja, ich will!" Der zuvor gemachte Heiratsantrag wurde durch diese drei magischen Wörter angenommen. Nun ist es also soweit - die Hochzeit steht bevor. Schon als kleines Mädchen träumen wir Frauen von einer Märchenhochzeit. Alles muss perfekt sein: Ganz in weiß erwarten wir unseren Bräutigam in einer Kutsche oder am Strand, lassen gemeinsam weiße Tauben in den Himmel steigen und sehen einander verliebt in die Augen. Der Fantasie für den so genannten "schönsten Tag im Leben" sind keine Grenzen gesetzt. Ob nun an einem einsamen Strand im kleinen Familienkreis oder auf einem Schloss gemeinsam mit vielen Verwandten und Bekannten - in jedem Fall soll es ein ganz besonderer Tag werden.
Doch bevor es soweit ist, muss man sich darauf konzentrieren all diese wunderbaren Fantasien und Wünsche zu organisieren und unter einen Hut zu bekommen. Dies bedeutet also ein großes und schwieriges Stück Arbeit. Und genau aus diesem Grund überlegen zunehmend mehr Paare sich ein wenig unter die Arme greifen zu lassen und engagieren einen Wedding Planer. Immerhin hat dieser Berufstand seit dem Film "Wedding Planner -verliebt, verlobt, verplant" mit J.Lo an großer Popularität gewonnen - auch in Deutschland.
Doch was genau macht eigentlich ein Wedding Planer und ist er wirklich notwendig um seine Traumhochzeit zu realisieren? Eine schwierige Frage, der ich versuche auf den Grund zu gehen und mich deshalb mit der Wedding Helferin Barbara McMahon treffe. Sie ist seit 8 Jahren in diesem Berufsfeld tätig, führt das Büro „Weddinghelfer“ in München und kann mir genau beschreiben, was es mit damit auf sich hat. Zunächst einmal erklärt sie mir, dass der Beruf Wedding Planner zu meinem Erstaunen keine wirkliche Neuerfindung ist, sondern eher eine Art moderner Hochzeitsbitter. Als Hochzeitsbitter oder Hochzeitslader werden Personen im deutschen Sprachraum bezeichnet, die bei der Vorbereitung einer Hochzeit die Rolle des Einladers und während der Hochzeitsfeier die Rolle eines organisierenden und oft lustigen Unterhalters übernehmen. Daraus leitet sich nun der Beruf Wedding Planner ab.
Allerdings variieren die Aufgabengebiete. Barbara McMahon veranschaulicht mir anhand des Vergleichs mit einem Orchester oder einer Band, was ein Wedding Planner leistet: Jedes Mitglied hat innerhalb einer Band eine bestimmte Rolle. Damit aber ein Zusammenspiel funktioniert und harmonisch klingt bedarf es eines Dirigenten, der die verschiedenen Mitglieder koordiniert und organisiert. Ein Wedding Planner kümmert sich daher von Beginn an um alle möglichen Belange, die bei einer Hochzeit anstehen können. Angefangen mit der Suche nach einer passenden Lokalität, dem Catering, einem professionellen Fotografen der den eigenen Wünschen entspricht bis hin zu Unterhaltungsaspekten, wie dem richtigen DJ oder einer Band. Dabei darf die Hochzeitsfeier auf keinen Fall verplant scheinen, sondern muss so organisiert sein, als ob es genauso sein sollte.
Aufgrund dessen, dass das Gestalten einer Hochzeit nach Barbara McMahon zu der Königsdisziplin der Eventorganisation gehört und höchste Ansprüche gestellt werden, ist es besonders wichtig, dass man sich auf Anhieb mit dem Brautpaar sympathisch ist. Aus diesem Grund bietet sie zunächst allen Interessierten ein kostenloses Beratungsgespräch an, indem man dies feststellen kann und Wünsche besprochen werden können. Es besteht bei Barbara McMahon immer auch die Möglichkeit die Feier nur teilweise planen zu lassen. Je nachdem was das Brautpaar am liebsten selber machen möchte und wobei es Hilfe benötigt, wird sich auch der preisliche Aspekt ausrichten. So wird deutlich, dass es nicht unbedingt sehr teuer werden muss, wenn man sich für Unterstützung entscheidet. Die Kosten werden im Prinzip daran bemessen wie viel geplant wird und wie hoch der Aufwand für die Hochzeitsfeier ist. Grob gesagt kann man aber für eine Komplettbetreuung mit ca. 2000 € rechnen.
Auf die Frage, woran man denn einen seriösen Hochzeitsplaner erkennt, antwortet sie, dass man auf die angegebenen Referenzen achten sollte. Besonders vorsichtig sollte man sein, wenn bereits bei einem Erstgespräch Gebühren erhoben werden. Dies scheint Barbara McMahon besonders unseriös. Auch Kontakte eines Wedding-Helfers und das Team sind wichtig für einen reibungslosen Ablauf und deuten auf Seriosität hin. Ein Wedding Planer darf auf einer Hochzeitsfeier so gut wie gar nicht sichtbar sein, erklärt McMahon. Die Kunst besteht darin, unauffällig im Hintergrund die Fäden zu ziehen und für alle Eventualitäten ein Ass im Ärmel zu haben. Sollte es beispielsweise zu Regnen anfangen, hat McMahon bereits einen Unterstand organisiert-so als ob es nie anders geplant wäre.
Besonders interessiert mich auch die Frage, dass wenn man sich für einen Wedding Planner entscheidet, die Hochzeit genauso organisiert wird, wie die einer Freundin, die sich auch für Unterstützung entschieden hat. Wird etwa nach Schema F vorgegangen? Diese Besorgnis nimmt mir Barbara McMahon sofort. Mit jeder Hochzeit werden andere Anforderungen gestellt, denen man sich stellen muss und die einen Hochzeitsplaner fordern. So kann keine Hochzeit wie die andere werden, denn das Individuelle spielt eine tragende Rolle bei der angebotenen Unterstützung. Routine wird es hier niemals geben, lediglich ein gutes Hintergrundwissen, was man sich über die Jahre hinweg aneignet. Mit auf den Weg gibt mir McMahon, dass sie besonderen Wert darauf legt, sich nicht Wedding Plannerin zu nennen, sondern Wedding Helferin. Der Unterschied bestehe nämlich darin, dass sie niemanden „verplanen“, sondern ein miteinander kreieren möchte. Nur dann ist eine unvergessliche Hochzeitsfeier möglich.
Nach diesem Gespräch und um einige Informationen reicher, versuche ich mich nun an der Klärung der zuvor gestellte Frage. Eine deutliche Antwort kann ich allerdings nicht geben. Als Sprecher des Berufsstandes hat Barbara McMahon sicher auf viele Vorteile hingewiesen. Darunter fallen zusammengefasst zum einen die Unterstützung und Hilfe bei der Lokalitätensuche, beim Cateringservice, im Dekorations- und Unterhaltungsbereich sowie all den anderen essentiellen Aspekten die für eine perfekte Hochzeit notwendig sind. Zum anderen besteht der Vorteil darin, dass Missgeschicke so gut als möglich vorgebeugt werden. Unliebsame spontane Ereignisse werden fast unbemerkt ausgebügelt. „Gemeinsam“ mit der Weddinghelferin wird die Hochzeit zu einem der unvergesslichsten Tage im Leben.
Das hört sich alles traumhaft schön an, aber trotz des Einwandes von McMahon, dass sie „nur Hilfe“ anbietet, werde ich den Beigeschmack von Perfektionismus und VerPlanung nicht los. Ist das Selbst-organisieren nicht auch das, was am meisten Spaß macht? Gehört der Stress und die Aufregung, ob alles gut gehen mag nicht auch zu einer Hochzeit dazu? Denkt man nicht auch gerne an kleine Missgeschicke zurück und machen diese die Feier nicht sympathisch, individuell und unvergesslich?
Je nachdem wie man das Blatt dreht und wendet, letzten Endes ist es eine Entscheidung, die man nur für sich selbst beurteilen kann. Man muss die eigenen Anforderungen an das Fest herausfinden und sich dann in den Organisationsalltag stürzen, ob ganz mit Wedding Planner, teilweise oder gar nicht. Die Individualität und Einzigartigkeit einer Feier ist sozusagen doch immer „Chefsache“.